Die Geschichte des Bierbrauens


Der Weg zur modernen Brauwirtschaft
Im 19. Jahrhundert fielen die Schranken der Z√ľnfte und Gilden, die Gewerbefreiheit wurde propagiert. Es war eine Epoche des Aufbruchs. Als sich 1835 die erste Eisenbahn von N√ľrnberg nach F√ľrth auf den Weg macht, hat sie als Fracht Bier geladen.

Der √ľberall einsetzende technische Fortschritt nutzte auch den Brauern. Drei Namen sind mit dem technischen Entwicklung der Brauwirtschaft besonders eng verbunden: Louis Pasteur entdeckte die Mikroorganismen in der Hefe und ihre Rolle beim Braupozess. Emil Christian Hansen gelang es als erstem, eine einzelne Bierhefezelle zu isolieren. Und Carl von Linde erfand die K√§ltemaschine und schuf damit die Voraussetzung schuf, unterg√§riges Bier auch im Sommer zu brauen. Unterg√§riges Bier braucht mit Temperaturen zwischen 4 und 9 Celsius beim Brauprozess eine entsprechende K√ľhlung, die fr√ľher nur durch Einlagerung von gro√üen Eismengen m√∂glich war. Deshalb wurden bis dahin √ľberwiegend oberg√§rige Biere gebraut.

Die Zeiten √§ndern sich und mit ihnen die Bed√ľrfnisse derjenigen, die Bier brauen, ausschenken und trinken. So l√∂sten Kegs in der Gastronomie die Holzf√§sser ab. Die Bierk√§sten sind heute meistens aus leichtem Kunststoff und nicht mehr aus Holz. Der Wunsch der Verbraucher, ihr Bier gepflegt zu Hause zu trinken, f√ľhrte zur vermehrten Abf√ľllung des Bieres in Flaschen und Dosen und damit zur Entwicklung immer schnellerer Flaschenwasch-, F√ľll- und Etikettieranlagen. Prozesssteuerung und Computer hielten Einzug in die Brauereien. Neue Spezialit√§ten - wie alkoholfreies Bier oder Biermischgetr√§nke - kommen modernen Trinkgewohnheiten entgegen und erf√ľllen die Anspr√ľche der Konsumenten von heute.

Die deutschen Brauer haben es stets verstanden, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Die Fähigkeit, neuen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig an Bewährtem festzuhalten, gewährleistet, dass die Brauwirtschaft nicht nur eine stolze Vergangenheit, sondern auch eine sichere Zukunft hat.

(Quelle: www.brauerbund.de, Stand: 27.08.03)


Bl√ľhendes Handwerk im Mittelalter
Ab dem fr√ľhen Mittelalter nahmen sich besonders die Kl√∂ster der Kunst des Bierbrauens an. Das erste Kloster, in dem Bier gebraut wurde, war nach einer Chronik aus dem Jahr 820 n. Chr. das von St. Gallen in der heutigen Schweiz. Die M√∂nche erlernten fr√ľh die Kunst, ein nahrhaftes, wohlschmeckendes Getr√§nk zu brauen, das ihre kargen Mahlzeiten bereicherte. Besonders wichtig war dies in der Fastenzeit, wenn der G√ľrtel noch enger geschnallt werden musste. Dann war ein starkes Bier der willkommene Ausgleich, denn "was fl√ľssig ist, bricht kein Fasten". Die Tradition der Starkbiere, deren Saison am Anfang des Fr√ľhjahrs beginnt, hat sich bis heute vor allem in Bayern erhalten.

Die Kl√∂ster machten den weltlichen Braust√§tten in fr√ľheren Jahrhunderten durch den Verkauf ihrer Biere heftige Konkurrenz. Schon Anfang des 15. Jahrhunderts wurde deshalb ein Verbot zum √∂ffentlichen Verkauf von Klosterbier erlassen. Viel gen√ľtzt hat es nicht. Erst als im Zuge der Franz√∂sischen Revolution auch in Deutschland die Kl√∂ster s√§kularisiert wurden, war Anfang des 19. Jahrhunderts das Schicksal der meisten Klosterbrauereien besiegelt. Doch noch heute gibt es elf Kl√∂ster, in denen Bier gebraut wird. Zu den bekanntesten z√§hlen Andechs und Ettal in Bayern.

Mit dem Aufbl√ľhen der deutschen St√§dte entwickelte sich auch auf weltlicher Ebene das Braugewerbe zu einem angesehenen Wirtschaftszweig. Erster und √§ltester Brauhandelsplatz gro√üen Stils war Bremen, das bereits um 1300 gro√üe Mengen Exportbier nach Holland, Flandern, England und Skandinavien lieferte. Hamburg galt als das "Brauhaus der Hanse". Immerhin z√§hlte die Stadt im 16. Jahrhundert 600 Brauereien, in denen die H√§lfte aller Gewerbetreibenden t√§tig war. Brauereien waren zur damaligen Zeit oft die wichtigste Finanzquelle der st√§dtischen Wirtschaft.

Die Anfänge des Bieres
Bier ist f√ľr viele moderne Menschen der Inbegriff von Geselligkeit und Genuss. Die wenigsten wissen dabei, dass sie mit dem Bierglas auch ein St√ľck Kulturgeschichte in der Hand halten. Die Anf√§nge des Bieres lassen sich bis in die Zeit um 6000 vor Christus zur√ľckverfolgen. Damals lebten die Sumerer in dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris. Ihre Bilder und Keilschriften haben sich bis heute erhalten und k√ľnden von der Sitte, aus vergorenem Brotteig ein Getr√§nk herzustellen, das wir mit hoher Wahrscheinlichkeit als Vorfahren unseres Bieres bezeichnen k√∂nnen. In der Zeit um 3000 vor Christus gab es schon so etwas wie eine - sehr bescheidene - Sortenvielfalt: Immerhin vier verschiedene Biere wurden in diese Zeit angeboten.

Um 2000 vor Christus entstand in Babylonien eines der ältesten Werke der Weltliteratur: das Epos um den sagenhaften König Gilgamesch. In einer Geschichte des Epos lernt Enkidu, ein noch sehr tierähnlicher Urmensch, was den Menschen ausmacht: "Iss nun das Brot, o Endiku, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es des Landes Brauch!" Nach weiteren sieben Bechern, Waschungen und Salbungen war Endiku, so das Gilgamesch-Epos, "einem Menschenwesen gleich".

Auch bei den alten √Ągyptern wurde bereits Jahrhunderte vor Christi Geburt Bier gebraut. Das bezeugen Wandmalereien und Figuren, die in K√∂nigsgr√§bern gefunden wurden. Auf der anderen Seite des Mittelmeeres, bei den Griechen und R√∂mern scheint Bier keine besondere Rolle gespielt zu haben. Hier dominierte der Wein.

Bei den Germanen war dagegen war Bier das Lieblingsgetr√§nk. Den √§ltesten Nachweis daf√ľr, dass Bier auf deutschem Boden gebraut wurde, liefern Bieramphoren aus der Zeit von 800 v. Chr., die in der Gegend von Kulmbach gefunden wurden. Das Brauen war dabei, genau wie das Brotbacken, eine Aufgabe der Frauen.

Aber das Bier von fr√ľher muss pappig und s√ľ√ülich geschmeckt haben, denn Hopfen wurde damals noch nicht verwendet. Nach den Quellen begannen die Brauer im 8. Jahrhundert, dem Sud Hopfen beizugeben. Er verlieh dem Bier nicht nur den fein-herben Geschmack, den wir heute kennen, sondern machte es als nat√ľrliches Konservierungsmittel auch besser haltbar.



aufgenommen am:03.09.2003
Kategorie:Getränkehandel: Bier
Suchbegriffe:Bier brauen
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